Warum Latein in der heiligen Messe?

Die lateinische Sprache ist seit alters her die offizielle Sprache der Westkirche und somit auch die Sprache der Liturgie, also Kultsprache. Sie hat nicht nur den Vorzug alle Katholiken weltweit miteinander zu verbinden, sondern ist auch von zeitloser Klarheit und Schönheit.


Latein als Zeichen der Einheit

Die lateinische Sprache ist ein sichtbares Zeichen der kirchlichen Einheit (unitas Ecclesiae) und verweist auf das Pfingstwunder, bei dem die in Jerusalem zum Fest versammelten Menschen die Apostel in ihren eigenen Sprachen verstehen konnten: Wenn in der Welt viele Sprachen gesprochen werden, so gibt es doch im Heiligtum nur eine einzige Sprache.
Das Zweite Vatikanische Konzil hebt die Bedeutung des Lateinischen für die Liturgie mit den folgenden Worten hervor:

„Der Gebrauch der lateinischen Sprache ist beizubehalten, in den lateinischen Riten soweit nicht Sonderrecht entgegensteht.“ (Sacrosanctum Concilium, Nr. 36 § 1)

Wer sich einmal mit der lateinischen Liturgie vertraut gemacht hat, kann eine solche Messfeier nicht nur vor Ort mitfeiern, sondern überall auf der ganzen Welt, sei es in Japan, Argentinien oder in Südafrika. Die Voraussetzung ist natürlich eine Pflege der Kultsprache in den jeweiligen Ländern bzw. das Angebot entsprechender Gottesdienste. Der Vorteil ist, dass wir überall zu Hause sind und die hl. Messe problemlos mitfeiern und vor allem auch mitsingen können. Auf diese Weise kommt die Bedeutung für das Wort „katholisch“, also „allumfassend“ erst so richtig zum Tragen. Eine gute Hilfe, um sich mit der lateinisch sprachigen Messfeier vertraut zu machen, bietet übrigens das lateinisch-deutsche Volksmessbuch Schott.


Klarheit und Schönheit der lateinischen Sprache

Dem Latein ist aufgrund seiner Klarheit und Schnörkellosigkeit zudem eine einzigartige Ästhetik zu Eigen. Die Sprache ist von zeitloser Schönheit und passt sich mit ihrer außergewöhnlichen Schlichtheit dem ästhetischen Empfinden jeder Zeit an.


Zeitlosigkeit und Unveränderlichkeit

Latein als Liturgie- & KirchenspracheIn der überlieferten römischen Liturgie sprechen wir dieselben Texte und Gebete in derselben Sprache, wie sie bereits die Menschen vor vielen Jahrhunderten gesprochen haben. Es sind auch jene Texte, die schon von den ersten römischen Päpsten gebetet und mit denen sich große Männer und Frauen über alle Jahrhunderte hinweg geheiligt haben. Ebenfalls singen wir im außerordentlichen Ritus noch heute dieselben Melodien, die der heilige Papst Gregor der Große (540-604) gesammelt und der Nachwelt als „gregorianische Choräle“ hinterlassen hat. Die Unveränderlichkeit der lateinischen Sprache prädestiniert sie außerdem für die Weitergabe des Glaubens in der Liturgie über die Zeit hinweg.


Musikalische Tradition des Lateinischen

Die lateinische Sprache hat auch eine große musikalische Tradition in der Kirche, die besonders im gregorianischen Choral voll zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus haben die größten Komponisten aller Epochen (u.a. Palestrina, Mozart, Haydn, Bach, Beethoven, Pärt) Messen, Requien und andere eindrucksvolle geistliche Werke zur Untermalung der kirchlichen Liturgie in dieser Sprache verfasst.


Ikonostase zur Verhüllung des Mysteriums

Das Geschehen in der heiligen Liturgie ist ein – wie es besonders die orthodoxe Kirche betont – Mysterium (vom griechisch. Wort „Mysterion“ → übersetzt: Geheimnis), also ein Glaubensgeheimnis, das sich der Begreifbarkeit des menschlichen Verstandes verschließt und sich nur mit dem Herzen erfassen lässt. Eine Kultsprache wie das Lateinische in der Westkirche (die Ostkirche hat hier das Byzantinische oder Altslawische) kann den Gläubigen dabei helfen ein tieferes Verständnis für das Geschehen in der Liturgie zu bekommen, weil sie den Blick auf das Heilige wie eine Ikonostase (Trennwand zwischen Kirchenschiff und Altarraum in einer orthodoxen Kirche) verhüllt. Wer versteht, dass man nichts verstehen kann, dem erschließt sich der innere Zugang zum Mysterium der heiligen Messe.

Verfasser des Textes: C. S.

 

Quelle:

  • Ramm, Martin: Zum Altare Gottes will ich treten; Thalwil 2005, S. 18ff.