Liturgischer Kalender und Leseordnung im überlieferten Ritus

Sowohl der liturgische Kalender als auch die Leseordnung unterscheiden sich im überlieferten Messritus (Missale von 1962) zur nachkonziliaren Liturgie (Missale von 1970).


Liturgischer Kalender

Liturgischer Kalender / Heiligenkalender
Liturgischer Kalender

In der außerordentlichen Form des römischen Ritus gilt der liturgische Kalender, wie er bis zur Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil für die Gesamtkirche Gültigkeit hatte. Im Vergleich zur neuen Form des römischen Ritus ist das Kirchenjahr hier etwas anders aufgebaut. In den meisten Festen und Zeiten stimmt der Kalender (letzte Fassung von 1962) zwar mit jenem der ordentlichen Form überein, unterscheidet sich jedoch in Besonderheiten wie der Vorfastenzeit, einer längeren Weihnachtszeit (bis Mariä Lichtmess am 2. Februar), eigenen Festen für die Erzengel, dem Heilig-Blut-Fest oder dem verschobenen Christkönigssonntag (den Abschluss des Kirchenjahres bildet im alten Kalender der letzte Sonntag nach Pfingsten). Im liturgischen Kalender der neuen Messform haben sich zudem etliche Heiligenfeste und Gedenktage verschoben und es ist eine Vielzahl neuer Heiliger hinzugekommen. Im Jahr 2012 wurde durch die zuständige Kommission „Ecclesia Dei“ erstmals wieder ein offizieller Überblick mit den kirchlichen Feiertagen und Heiligenfesten nach dem alten Kalender herausgegeben, das sogenannte Direktorium. In dieser Vatikan-Publikation finden sich außerdem Hinweise zum liturgischen Rang des Tages, zu bestimmten Gebeten während der Messfeier sowie zur jeweiligen liturgischen Farbe.

Bemerkenswert! Einer der großen Vorteile des alten liturgischen Kalenders ist die größere Überschneidung von Zeiten, Festen und Heiligen-Gedenktagen mit dem Kalender der orthodoxen Kirchen, was ihn in besonderer Weise als Zeichen für die Ökumene prädestiniert.

Leseordnung

Ebenfalls gibt es in der außerordentlichen Form des römischen Ritus (forma extraordinaria) eine andere Leseordnung: Während die Leseordnung für den Neuen Ritus an Sonn- und Feiertagen drei Lesejahre (A: Matthäus, B: Markus, C: Lukas) mit drei Lesungen sowie an Wochentagen zwei Zyklen (Jahr I und Jahr II) vorsieht, beinhaltet die tridentinische Leseordnung jedes Jahr dieselben Perikopen mit zwei Lesungen (außer an Karfreitag) an Sonn- und Festtagen (entweder eine Lectio (Lesung außerhalb der Apostelbriefe) oder eine Epistel (Lesung aus Apostelbriefen) und das Evangelium). An den Wochentagen ohne Eigentexten werden nach der alten Leseordnung die Texte des vorherigen Sonntags gelesen. Dabei ist für die Leseordnung des außerordentlichen Ritus das Römische Messbuch maßgebend: Die einzelnen Perikopen sind hier aufgeteilt in das Proprium de Tempore, die zeitlich von Ostern abhängigen Sonntage und Feste, das Proprium/Commune Sanctorum (Heilige) sowie in die unbeweglichen Heiligenfeste.

Verfasser des Textes: C. S.